PRE65 Scottish Two Day Trial

Samstag, 30.4.2011, zweiter Tag

BSA C15 in Schmierungsnöten? Gerhard und Martin Ehrenreich
BSA C15 in Schmierungsnöten? Gerhard und Martin Ehrenreich

Die C15 könnte es schaffen

Von der Runde des ersten Bewerbstages zurückgekehrt, wurden erst einmal die Motorräder versorgt und für den Samstag und zweiten Tag vorbereitet. Nach Reinigung und genauer Untersuchung der C15 von Gerhard schien sich der Dichtungsschaden zu bestätigen. Der Ölverlust hielt sich aber in vertretbarem Rahmen. Gerhard wollte es auch am zweiten Bewerbstag probieren. Die Gewissheit, dass wir nach ca. der Hälfte des Bewerbes wieder bei Start und Ziel vorbeikamen und dabei der Ölstand bei Bedarf wieder nachgebessert werden konnte gab Zuversicht, den Bewerb zu Ende fahren zu können, ohne Schaden am Motorrad anzurichten.

Keine Zeit für Unterhaltungen!
Keine Zeit für Unterhaltungen!

Trödeln verboten!

In der Analyse des ersten Tages erkannten wir, dass wir entscheidende Zeit vor und nach den Sektionen verloren hatten. Das gegenseitig aufeinander Warten vor und nach der Sektion, und seien es jeweils nur zwei Minuten, machten bei dreißig Sektionen insgesamt auch eine Verzögerung von 45-60 Minuten aus. Genau diese Zeitspanne fehlte uns beiden am Ende des ersten Tages. Wir nahmen uns vor, bewusster auf den Faktor Zeit zu achten. Der Ausschreibung war auch zu entnehmen, dass uns mit 5:30 eine etwas längere Fahrtzeit zur Verfügung stand. Andererseits schien die Zwischenstrecke länger zu sein und es war klar, dass Gerhard mit viel Bedacht würde fahren müssen, um seine C15 heil ins Ziel zu bringen.

 

Auch Probleme bei der BSA Bantam?

Am Samstag starteten wir ca. eine halbe Stunde später, das die Startprozedur mit Nummer 91 aufwärts begann. Auch am zweiten Tag, begannen wir in der Sektionsgruppe Pipeline. Die besser ausgefahrene Spur in der Subsektion 1 machte sich gleich bemerkbar, hier konnte ich den Tag mit einer Null beginnen, jedoch an der ersten Felsstufe in der Subsektion 2, war ich etwas langsam dran. Daher musste die Stufe hart und mit viel Druck gefahren werden. An sich kein Problem, der Fels war sehr griffig. Allerdings fehlte plötzlich jeglicher Vortrieb, ein lautes metallisches Geräusch verhieß wenig Gutes. Die Kette war ab, das war mir bisher dato nur einmal in Italien passiert und da war ein Materialbruch des Rahmens die Ursache. Bei einer sofortigen Untersuchung konnte nichts gefunden werden, also Kette rauf und es ging die Abfahrt von der Pipeline wieder hinunter, als wieder dieses Geräusch zu hören und die Kette abgesprungen war. Verflixt noch mal, was war da los? Auch Gerhard sah sich Rahmen, Kettenspiel und Radposition an. Alles schien normal. Aufgrund dieser ungewohnten Geschichte bei der Bantam ging es mit etwas gemischten Gefühlen auf den kurzen Weg in Richtung der Gruppe Aluminium Works.

Keith Wells, DMW rigid. Image: Andrea
Keith Wells, DMW rigid. Image: Andrea

Learning by Doing

Auch wenn hier zweimal eine Drei in die Ergebnislisten eingetragen wurden. Die kleine „Mistgreen“ (offizielle Farbbezeichnung bei BSA: „Mist“ = engl. für „Nebel“) schien unbeschadet geblieben zu sein und funktionierte. Was noch wichtiger war: Scheinbar hatte ich mich an das Geschüttle langsam gewöhnt, ich hatte ein gutes Gefühl auf dem Moped. Da machte es nichts aus, dass die gesetzten drei Füße, in der Wertung die gleich Punkteanzahl wie zwanzig gesetzte Füße ergaben. Dennoch gelangen mir einige Sektionen so wie ich es mir ursprünglich vorgestellt hatte.

 

Zusätzliche Motivation

Andrea als Fotografin an mehreren Sektionen schien mir zusätzliche Motivation zu bescheren. Fast überall wo sie stand, gelangen mir mit einer Ausnahme (eine Fünf vor den Augen von Sammy Miller) sehr gute Sektionspassagen mit einigen Nullen.

Steve Saunders, Gewinner der PRE65 Scottish 2011
Steve Saunders, Gewinner der PRE65 Scottish 2011

Aus Fehlern gelernt

Auf eine der langen Straßenetappen begann der vor mir fahrende Gerhard während der Fahrt in seinen Taschen zu kramen und zog eine Trinkflasche hervor, die er nahezu triumphierend empor hob. Ja, er setzte die Ergebnisse der vortägigen Analyse gleich um und trank und aß während wir langsam und materialschonend auf den asphaltierten Straßen unterwegs war. Natürlich tat ich es ihm gleich. Es sollte keine Zeit mehr unnötig verloren gehen.

 

Großes Ziel wurde greifbar

Nach Beendigung der ersten Schleife brachte die Untersuchung von Gerhard an seiner C15 Gewissheit: Der Ölverlust ist überschaubar und stellt kein Problem dar. Auch meine Bantam zeigte nach den anfänglichen Problemen mit der Kette keine Störung mehr und lief problemlos. Der „Finisher Award“, die Anerkennung für jene Fahrer, die den Bewerb zu Ende fuhren, war für Gerhard und mich das Große Ziel und schien in greifbare Nähe zu rücken.

 

weiterer Höhepunkt: Mamore
In der zweiten Schleife des Tages ging es zuerst einem beliebten Weitwanderweg, dem West Highland Way entland. Nach einer etwas längeren Zwischestrecke auf einem Schotterweg, kündigten etliche Motorräder am Wegesrand die nächste Sektionsgruppe an. Tatsächlich nach einer Linkskurve säumten unzählige Zuschauer einen Graben mit einem kleinen Bach. „Mamore“ stand uns bevor! Ein steiler Graben, an dessem Grund ein schräg verschnittener Felsen, teilweise ziemlich rutschig, eine saubere Spur verlangte. Seitlich schräger Fels, garnitiert mit diversen gegenläufigen Verschneidungen und Stufen auf einem steil abfallenden Berghang. Das perfekte Wetter als Draufgabe, machte Mamore sowie die etwas oberhalb liegende „Am Bodach“ zu einem Zuschauermagnet und unzählige Fotografen waren hier an der obersten Felsstufe postiert, da gerade hier spektakuläre Motive zu erwarten waren. Während die Sub 1 von Mamore für mich mit „Legs like a spider“ (=Füße wie eine Spinne) schaffbar war, blieb auch auch in Sub 2 an der großen Stufe hängen, wieder mal fehlte es etwas an Geschwindigkeit).

Finisher PRE65 Scottish 2011: A. Wagner, G. Ehrenreich
Finisher PRE65 Scottish 2011: A. Wagner, G. Ehrenreich

Geschüttelt, nicht gerührt!

Am West Highland Way entlang galt es vor allem darauf zu achten, sich keinen Reifenschaden an den scharfkantigen Steinen und Wasserabläufen einzuhandeln. Die Stichfahrt führte bis zur Sektion Sleubhaich. Wer bisher noch nicht genüg durchgeschüttelt wurde, hatte diesen Punkt spätestens an dieser endlosen Sektion erledigt. Steil bergauf ging es wieder von Kuppe zu Kuppe der großen Rundlinge… Geschüttelt, nicht gerührt!

Von Sleubhaich ging es mit Gegenverkehr wieder zurück bis Mamore um gleich danach einen steilen Wanderweg nahezu in Fallrichtung den Berg wieder herunter zu fahren. Und wieder hieß es, Gewicht zurück, Gabel entlasten, schon in Hocke bleiben. Bei der darauf folgenden Sektionsgruppe in Lower Mamore ging es dann wohl auch darum, die Muskel der Oberschenkel wieder rechtzeitig einsatzbereit zu bekommen.

 

Geschafft!

Spätestens nach der Sektionsgruppe Lower Gaillich war es dann fast schon fixiert. Wir lagen gut in der Zeit, also konnten wir die Motorräder behutsam der Straße entlang ins Ziel tragen. Es war vollbracht: Gerhard und ich waren in Zeit angekommen und wir hatten die Scottisch PRE65 in Wertung beendet!

Mary Driver überreicht mir den Finisher-Award
Mary Driver überreicht mir den Finisher-Award

Ehrung aller Finisher!

Die Siegesfeier fand noch am Samstag abend in Kinlochleven statt. Die Zeremonie dauert den ganzen Abend. Einleitend unterhielten Dermott und Moffat die Anwesenden mit einer Art Doppelconference. Letztendlich wurden jedoch alle gewerteten Teilnehmer der Reihe nach auf das Podium gerufen um von der ehemaligen SSDT-Teilnehmerin und Ehrengeast der Veranstaltung, Mary Driver eine Medaille bzw. entsprechende Preise zu erhalten.

 

Ergebnisse:

Das ungewohnte Terrain sowie die zusätzliche Zeitstrafen von 51 Punkte für Gerhard sowie 45 Punkte für mich, spülten uns beide am Freitag gnadenlos ans Ende der Wertung der 180 Teilnehmer. Am Samstag blieben wir jedoch in der erforderlichen Zeit und konnten uns beide auch leistungsmäßig steigern. Von 159 gewerteten Teilnehmern konnte Gerhard noch den Platz 153 (234 Punkte) und ich Platz 149 (195 Punkte) erreichen. Mit 65 Punkten am Schlußtag konnte ich mit dem guten Gefühl nach Hause fahren, sowohl den Gewinner der Klasse Rigid, bis 200ccm Keith Wells, (Platz 133, 152 Punkte) als auch einem unglaublich stark fahrenden George Greenland (ältester Teilnehmer, Platz 118, 133 Punkte) noch ein paar Pünktchen abgenommen zu haben. Der einzig deutsche Teilnehmer, Bernd Sattler auf BMW, erreichte Platz 117, 132 Punkte).  

 

Warum?

Die Frage, warum der Gewinner der Pre65 Scottish 2011, der zehnfache britische Champion Steve Saunders ausgerechnet mit einer Triumph Twin in Angriff nahm, antwortete Steve mit einem Grinsen im Gesicht: "Weil sich nichts besser anhört, als mit einem Zweizylinder die Pipeline hoch zu fahren!"

 

Alfred, 2011